Gedichte
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15 Okt 2026 09:24 - 15 Okt 2026 09:26 #61995
von Kaninchen
Johannes Trojan
.Ich frag die Maus:
Wo ist dein Haus?
Die Maus darauf erwidert mir:
Sag´s nicht der Katz, so sag ich´s dir.
Treppauf, treppab,
erst rechts, dann links,
dann wieder rechts,
und dann gradaus-
da ist mein Haus,
du wirst es schon erblicken!
Die Tür ist klein,
und trittst du ein,
vergiss nicht, dich zu bücken.
.Ich frag die Maus:
Wo ist dein Haus?
Die Maus darauf erwidert mir:
Sag´s nicht der Katz, so sag ich´s dir.
Treppauf, treppab,
erst rechts, dann links,
dann wieder rechts,
und dann gradaus-
da ist mein Haus,
du wirst es schon erblicken!
Die Tür ist klein,
und trittst du ein,
vergiss nicht, dich zu bücken.
Letzte Änderung: 15 Okt 2026 09:26 von Kaninchen.
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15 Okt 2026 20:23 - 15 Okt 2026 20:23 #62019
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Laub
Wie das Laub an jenen Ranken,
Die des Dichters Bild einst schmückten,
Also welkten die Gedanken,
Die ihn sonst so reich beglückten;
Und wie sturmverwehte Blätter -
Einst der grüne Schmuck der Wälder -
Treiben sie im Herbsteswetter
Über die bereiften Felder.
Aber flattern sie im Winde
Losgerissen auch vom Stamme:
Funken gleich im Laub’, entzünde
Der Gedanke sich zur Flamme.
Rudolf Bunge
Wie das Laub an jenen Ranken,
Die des Dichters Bild einst schmückten,
Also welkten die Gedanken,
Die ihn sonst so reich beglückten;
Und wie sturmverwehte Blätter -
Einst der grüne Schmuck der Wälder -
Treiben sie im Herbsteswetter
Über die bereiften Felder.
Aber flattern sie im Winde
Losgerissen auch vom Stamme:
Funken gleich im Laub’, entzünde
Der Gedanke sich zur Flamme.
Rudolf Bunge
Letzte Änderung: 15 Okt 2026 20:23 von Feschtbrueder.
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16 Okt 2026 16:21 - 16 Okt 2026 16:24 #62044
von Kaninchen
Bunt sind schon die Wälder
Das Gedicht „Bunt sind schon die Wälder“ stammt aus der Feder von Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis.
Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.
Wie die volle Traube
Aus dem Rebenlaube
Purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
Rot und weiß bemalt.
Flinke Träger springen,
Und die Mädchen singen,
Alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
Zwischen hohen Reben
Auf dem Hut von Stroh.
Geige tönt und Flöte
Bei der Abendröte
Und im Mondesglanz;
Junge Winzerinnen
Winken und beginnen
Frohen Erntetanz.
Bunt sind schon die Wälder
Das Gedicht „Bunt sind schon die Wälder“ stammt aus der Feder von Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis.
Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.
Wie die volle Traube
Aus dem Rebenlaube
Purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
Rot und weiß bemalt.
Flinke Träger springen,
Und die Mädchen singen,
Alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
Zwischen hohen Reben
Auf dem Hut von Stroh.
Geige tönt und Flöte
Bei der Abendröte
Und im Mondesglanz;
Junge Winzerinnen
Winken und beginnen
Frohen Erntetanz.
Letzte Änderung: 16 Okt 2026 16:24 von Kaninchen.
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17 Okt 2026 16:43 #62070
von Kaninchen
Sonntagmorgen
Träumerische Sonntagsstille! …
Fernes, festliches Geläut,
Goldner Duft auf allen Wipfeln,
Tropfen Tau im Gras verstreut.
In verlass'ner Waldkapelle
Bebt ein Glöcklein trauernd leise,
Ob auch rings die Schöpfung jauchzet,
Einsam singt es seine Weise.
Und ich weiß, was sie bedeutet…
Durch mein ganzes Leben zieht
Solch ein Sang – es ist des Schmerzes
Nimmer endend Klagelied.
Ja, du strahlst und prangst im Lichte,
Wunderbare Gotteswelt!
Doch das Herz mit seinem Leide
Ist als Schatten beigesellt.
Eugenie Marlitt (1825 - 1887), Pseudonym für Friederieke Henriette Christiane Eugenie John, deutsche Schriftstellerin
Sonntagmorgen
Träumerische Sonntagsstille! …
Fernes, festliches Geläut,
Goldner Duft auf allen Wipfeln,
Tropfen Tau im Gras verstreut.
In verlass'ner Waldkapelle
Bebt ein Glöcklein trauernd leise,
Ob auch rings die Schöpfung jauchzet,
Einsam singt es seine Weise.
Und ich weiß, was sie bedeutet…
Durch mein ganzes Leben zieht
Solch ein Sang – es ist des Schmerzes
Nimmer endend Klagelied.
Ja, du strahlst und prangst im Lichte,
Wunderbare Gotteswelt!
Doch das Herz mit seinem Leide
Ist als Schatten beigesellt.
Eugenie Marlitt (1825 - 1887), Pseudonym für Friederieke Henriette Christiane Eugenie John, deutsche Schriftstellerin
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18 Okt 2026 16:01 - 18 Okt 2026 16:02 #62095
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Sonne am Morgen
© R. Brunetti
Ein Herbst-Sonett
Die Sonne erwacht; ein Morgenrot,
Das leuchtend über den Himmel loht.
Es flieh'n die dunklen Schatten der Nacht,
Die Sonne schaut ihnen nach und lacht.
Die Wolken leuchten in goldnem Glanz,
Ein malerisch lichter Strahlenkranz
Erhellt das himmlische Blau im All;
Ein Bild der Götter beim Morgenmahl.
Oktober ist's und in Farbenpracht
Leuchtet die Welt in Herbstestracht.
Bunt sind die Bäume und Sträucher all,
Die Früchte duften beim Mittagsmahl.
Abend-Seide legt sich über das Land,
Behutsam, fein, mit zärtlicher Hand.
© R. Brunetti
Ein Herbst-Sonett
Die Sonne erwacht; ein Morgenrot,
Das leuchtend über den Himmel loht.
Es flieh'n die dunklen Schatten der Nacht,
Die Sonne schaut ihnen nach und lacht.
Die Wolken leuchten in goldnem Glanz,
Ein malerisch lichter Strahlenkranz
Erhellt das himmlische Blau im All;
Ein Bild der Götter beim Morgenmahl.
Oktober ist's und in Farbenpracht
Leuchtet die Welt in Herbstestracht.
Bunt sind die Bäume und Sträucher all,
Die Früchte duften beim Mittagsmahl.
Abend-Seide legt sich über das Land,
Behutsam, fein, mit zärtlicher Hand.
Letzte Änderung: 18 Okt 2026 16:02 von Feschtbrueder.
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18 Okt 2026 16:22 #62097
von Kaninchen
Gebet, mit den Eseln ins Himmelreich einzugehen
Das Gedicht „Gebet, mit den Eseln ins Himmelreich einzugehen“ stammt aus der Feder von Francis Jammes.
Wenn einst zu Dir, mein Gott, der Ruf zu gehn mich heisst,
Dann gib, dass feiertäglich rings das Land im Sommerstaube gleisst.
Ich will nur so, wie ich getan hienieden,
Einen Weg mir wählen und für mich in Frieden
Ins Himmelreich hinwandeln, wo am hellen Tag die Sterne stehn.
Ich greife meinen Stock und auf der grosse Strasse will ich fürbass gehn.
Und zu den Eseln, meinen Freunden, sprech ich dies:
«Hier ist Françis Jammes: der geht ins Paradies,
Ins Land des lieben Gottes, wo es keine Hölle gibt.
Kommt mit mir, sanfte Freunde, die ihr so die Himmelsbläue liebt.
Arme geliebte Tiere, die mit einem kurzen Schlagen
Des Ohrs die Fliegen und die Prügel und die Bienen von sich jagen.»
Dann will inmitten dieser Tiere ich mich vor dir zeigen,
Die ich so liebe, weil den Kopf so sänftiglich sie neigen
Und ihre kleinen Füsse aneinanderstemmen, wenn sie stille stehn,
Recht voller Sanftmut, dass es rührend ist, sie anzusehn.
So tret’ich vor dich hin in dieser tausend Ohren Zug,
Gefolgt von solchen, denen einst der Korb um ihre Lenden schlug.
Und denen, die im Joch der Gauklerkarren gingen,
Und vor geputzten Wagen, die voll Flittergold und Federn hingen,
Und solchen, über deren Leib verbeulte Kannen schwankten,
Und trächtigen Eselinnen schwer wie Schläuche, die zerbrochenen Schrittes wankten,
Und denen, über deren Bein man kleine Hosen streift,
Die Fliegen abzuwehren, deren Schwarm vom Blute trunken sie umschweift
Und ihrem Leib die blauen, sickernd offenen Male lässt –
Lass mich, mein Gott, mit diesen Eseln zu dir schreiten,
Gib, dass einträchtiglich die Engel um uns geleiten
Zu den umbuschten Bächen, wo im Winde zitternd Kirschen hangen,
So glatt und hell wie Haut auf jungen Mädchenwangen,
Und gib, dass ich in jenem Seelenreiche,
Zu deinen Wassern hingebeugt, den Eseln gleiche,
Die alle sanfte, arme Demut ihres Gangs auf Erden
Im lautern Quell der ewigen Liebe spiegeln werden.
Das Gedicht „Gebet, mit den Eseln ins Himmelreich einzugehen“ stammt aus der Feder von Francis Jammes.
Wenn einst zu Dir, mein Gott, der Ruf zu gehn mich heisst,
Dann gib, dass feiertäglich rings das Land im Sommerstaube gleisst.
Ich will nur so, wie ich getan hienieden,
Einen Weg mir wählen und für mich in Frieden
Ins Himmelreich hinwandeln, wo am hellen Tag die Sterne stehn.
Ich greife meinen Stock und auf der grosse Strasse will ich fürbass gehn.
Und zu den Eseln, meinen Freunden, sprech ich dies:
«Hier ist Françis Jammes: der geht ins Paradies,
Ins Land des lieben Gottes, wo es keine Hölle gibt.
Kommt mit mir, sanfte Freunde, die ihr so die Himmelsbläue liebt.
Arme geliebte Tiere, die mit einem kurzen Schlagen
Des Ohrs die Fliegen und die Prügel und die Bienen von sich jagen.»
Dann will inmitten dieser Tiere ich mich vor dir zeigen,
Die ich so liebe, weil den Kopf so sänftiglich sie neigen
Und ihre kleinen Füsse aneinanderstemmen, wenn sie stille stehn,
Recht voller Sanftmut, dass es rührend ist, sie anzusehn.
So tret’ich vor dich hin in dieser tausend Ohren Zug,
Gefolgt von solchen, denen einst der Korb um ihre Lenden schlug.
Und denen, die im Joch der Gauklerkarren gingen,
Und vor geputzten Wagen, die voll Flittergold und Federn hingen,
Und solchen, über deren Leib verbeulte Kannen schwankten,
Und trächtigen Eselinnen schwer wie Schläuche, die zerbrochenen Schrittes wankten,
Und denen, über deren Bein man kleine Hosen streift,
Die Fliegen abzuwehren, deren Schwarm vom Blute trunken sie umschweift
Und ihrem Leib die blauen, sickernd offenen Male lässt –
Lass mich, mein Gott, mit diesen Eseln zu dir schreiten,
Gib, dass einträchtiglich die Engel um uns geleiten
Zu den umbuschten Bächen, wo im Winde zitternd Kirschen hangen,
So glatt und hell wie Haut auf jungen Mädchenwangen,
Und gib, dass ich in jenem Seelenreiche,
Zu deinen Wassern hingebeugt, den Eseln gleiche,
Die alle sanfte, arme Demut ihres Gangs auf Erden
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