Gedichte

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08 Nov 2018 06:57 #20024 von Feschtbrueder
Viel Essen macht viel breiter ...

Viel Essen macht viel breiter
und hilft zum Himmel nicht,
es kracht die Himmelsleiter,
kommt so ein schwerer Wicht.

Das Trinken ist gescheiter,
das schmeckt schon nach Idee,
da braucht man keine Leiter,
das geht gleich in die Höh'.

Joseph von Eichendorff

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

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17 Nov 2018 11:15 #20120 von Kaninchen

Gemartert

Ein gutes Tier
ist das Klavier,
still, friedlich und bescheiden
und muß dabei
doch vielerlei
erdulden und erleiden.

Der Virtuos
stürzt darauf los
mit hochgesträubter Mähne.
Er öffnet ihm
voll Ungestüm
den Leib, gleich der Hyäne.

Und rasend wild,
das Herz erfüllt
von mörderischer Freude,
durchwühlt er dann,
soweit er kann,
des Opfers Eingeweide.

Wie es da schrie,
das arme Vieh,
und unter Angstgewimmer
bald hoch, bald tief
bald hoch, bald tief
um Hilfe rief,
vergeß ich nie und nimmer.


Wilhelm Busch (1832 - 1908)
deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller

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19 Nov 2018 07:56 - 19 Nov 2018 07:57 #20145 von Kaninchen



Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy (* 7. Dezember 1801 in Wien; † 25. Mai 1862 in Graz) war ein österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Opernsänger (Bass). Sein Werk ist der literarische Höhepunkt des Alt-Wiener Volkstheaters.


I laß mir mein Aberglaub´n
Durch ka Aufklärung raub´n,
´s is jetzt schön überhaupt,
Wenn man an etwas no glaubt.
Letzte Änderung: 19 Nov 2018 07:57 von Kaninchen.

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20 Nov 2018 07:53 #20159 von Kaninchen
Schnee

Schnee, zärtliches Grüßen
der Engel,
schwebe, sinke -
breit alles in Schweigen
und Vergessenheit!
Gibt es noch Böses,
wo Schnee liegt?
Verhüllt, verfernt er nicht
alles zu Nahe und Harte
mit seiner beschwichtigenden
Weichheit, und dämpft selbst
die Schritte des Lautesten
in Leise?
Schnee, zärtliches Grüßen
der Engel,
den Menschen, den Tieren! -
Weißeste Feier
der Abgeschiedenheit.

Francisca Stoecklin


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21 Nov 2018 08:17 #20173 von Kaninchen
Die Gänsehüterin

Fette Gänse, gross und klein,
Watscheln auf der Wiese,
Einwärts trippelt hinterdrein
Die Zigeunerliese.

Ach, sie weint gar bitterlich,
Senkt den Kopf zur Erde!
Ja, was hilft’s auch, wenn man sich
Abplagt mit der Herde!

Als sie an der grünen Heck’
Ihre Gänse zählte,
Merkte sie – o grosser Schreck! –
Dass die schönste fehlte.

»Weshalb weinst Du!« fragt sie dort
Mild der Herr des Schlosses.
»Hu! – ein – Gäns – chen ist – mir fort,
Hu ein schönes grosses!

Welch ein Braten fest und fein,
Wäre draus zu rösten!« –
»Nun, so will ich Dir verzeihn,
Magst Dich, Kleine, trösten!« –

»Nutzt nichts! Vater wird mich hau’n,
Denn er that befehlen,
Grad’ dies Gänschen sollt’ ich schau’n
Für uns wegzustehlen!« –

Marie von Ernest

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22 Nov 2018 07:57 - 22 Nov 2018 07:59 #20189 von Kaninchen
Natur gab allem....

Natur gab allem, was sie schuf,
Gehörig seine Waffen.
Sie hat das Pferd mit starkem Huf,
Gehörnt den Stier geschaffen.

Sie schuf den Hasen schnell genug,
Des Leu´n Gebiß geschlossen,
Sie gab dem Vogel raschen Flug,
Dem Fisch zum Schwimmen Flossen.

Sie gab den Männern Selbstvertrau´n
Und Klugheit, sich zu wehren;
Doch nichts behielt sie mehr den Frau´n
Als Waffe zu bescheren.

Da hat sie ihnen Reiz beschert
Statt Schilds und aller Waffen.
Leicht wird sich über Feu´r und Schwert
Sieg jede Schönheit schaffen.

Anakreon
6. Jahrhundert vor Christus








Letzte Änderung: 22 Nov 2018 07:59 von Kaninchen.

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