Gedichte
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28 Okt 2018 08:06 #19867
von Kaninchen
Fünfmalhunderttausend Teufel
Fünfmalhunderttausend Teufel
Kamen einstens in die Welt,
Aber ach! die armen Teufel
Hatten keinen Heller Geld.
Alle fingen an zu winseln,
Alle fingen an zu schrein.
Keiner von den armen Pinseln
Wußte weder aus noch ein.
Satanas, der alte Teufel,
Lachte sich fast lahm und krumm:
Gott im Himmel, diese Teufel
Sind doch wahrlich gar zu dumm.
Alle kratzen sich die Ohren,
Jeder ist ganz desperat!
Jemine! wir sind verloren,
Weiß denn niemand guten Rat?
Da sprach Pipifax, der Kleine:
Ihr seid dumm wie Bohnenstroh,
Ich allein, ja, ich alleine
Bin ein Teufel comme il faut!
Ihr habt Durst und nichts zu trinken.
Freilich ist das Teufelsqual
Seht ihr dort nicht Fenster blinken?
Dorten winkt uns der Pokal.
Seht, dort ist der Rathauskeller,
Dort quartieren wir uns ein;
Haben wir auch keinen Heller,
Hat der Wirt doch guten Wein
Sind die Türen auch verschlossen,
Wer von euch verzaget noch?
Wir marschieren unverdrossen
Alle durch das Schlüsselloch.
Hurra! schrieen alle Teufel
Und spazierten stracks hinein,
Leerten schnell zehntausend Flaschen
Von dem allerbesten Wein.
Sangen drauf im wilden Chore:
Nichts geht über Lieb' und Wein!
Und sie tranken con amore
In die späte Nacht hinein.
Als der Hahn fing an zu krähen,
Und die Flaschen alle leer,
Und die Teufel schon betrunken,
Da kam Satanas daher.
Sperrte in die leeren Flaschen
Die betrunknen Teufel ein
Und verpichte dann die Flaschen,
Zwängt' mit Draht die Pfropfen ein.
Fünfmalhundertttausend Teufel
Sind in Flaschen festgebannt,
Jede dieser Teufelsflaschen
Wird Champagnerwein genannt.
Wenn die Stöpsel munter knallen,
Öffnet sich der Freude Schoß,
Lieder ringsumher erschallen,
Ja, dann ist der Teufel los!
Eduard Maria Oettinger
(* 19. November 1808 in Breslau; † 26. Juni 1872 in Blasewitz)
war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Bibliograph.
Fünfmalhunderttausend Teufel
Kamen einstens in die Welt,
Aber ach! die armen Teufel
Hatten keinen Heller Geld.
Alle fingen an zu winseln,
Alle fingen an zu schrein.
Keiner von den armen Pinseln
Wußte weder aus noch ein.
Satanas, der alte Teufel,
Lachte sich fast lahm und krumm:
Gott im Himmel, diese Teufel
Sind doch wahrlich gar zu dumm.
Alle kratzen sich die Ohren,
Jeder ist ganz desperat!
Jemine! wir sind verloren,
Weiß denn niemand guten Rat?
Da sprach Pipifax, der Kleine:
Ihr seid dumm wie Bohnenstroh,
Ich allein, ja, ich alleine
Bin ein Teufel comme il faut!
Ihr habt Durst und nichts zu trinken.
Freilich ist das Teufelsqual
Seht ihr dort nicht Fenster blinken?
Dorten winkt uns der Pokal.
Seht, dort ist der Rathauskeller,
Dort quartieren wir uns ein;
Haben wir auch keinen Heller,
Hat der Wirt doch guten Wein
Sind die Türen auch verschlossen,
Wer von euch verzaget noch?
Wir marschieren unverdrossen
Alle durch das Schlüsselloch.
Hurra! schrieen alle Teufel
Und spazierten stracks hinein,
Leerten schnell zehntausend Flaschen
Von dem allerbesten Wein.
Sangen drauf im wilden Chore:
Nichts geht über Lieb' und Wein!
Und sie tranken con amore
In die späte Nacht hinein.
Als der Hahn fing an zu krähen,
Und die Flaschen alle leer,
Und die Teufel schon betrunken,
Da kam Satanas daher.
Sperrte in die leeren Flaschen
Die betrunknen Teufel ein
Und verpichte dann die Flaschen,
Zwängt' mit Draht die Pfropfen ein.
Fünfmalhundertttausend Teufel
Sind in Flaschen festgebannt,
Jede dieser Teufelsflaschen
Wird Champagnerwein genannt.
Wenn die Stöpsel munter knallen,
Öffnet sich der Freude Schoß,
Lieder ringsumher erschallen,
Ja, dann ist der Teufel los!
Eduard Maria Oettinger
(* 19. November 1808 in Breslau; † 26. Juni 1872 in Blasewitz)
war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Bibliograph.
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29 Okt 2018 08:08 #19885
von Kaninchen
Wie es der alte Spruch befiehlt,
So liebt' ich Wein stets, Weib und Lieder,
Doch kam ich dabei übel an
Und thät's wahrhaft nimmer wieder.
Die Weiber fand ich alle falsch,
Die Lieder hab' ich falsch gesungen,
Und nun hat der gefälschte Wein
Mich schließlich auch noch umgebrungen.
Unbekannt
Quelle: Aus den Fliegenden Blättern, ersch. 1845-1928 bei Braun & Schneider, München. Originaltext So liebt' ich Wein stets, Weib und Lieder,
Doch kam ich dabei übel an
Und thät's wahrhaft nimmer wieder.
Die Weiber fand ich alle falsch,
Die Lieder hab' ich falsch gesungen,
Und nun hat der gefälschte Wein
Mich schließlich auch noch umgebrungen.
Unbekannt
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30 Okt 2018 07:47 - 30 Okt 2018 07:48 #19899
von Kaninchen
Der Zufriedene
Zwar schuf das Glück hienieden
Mich weder reich noch groß,
Allein ich bin zufrieden,
Wie mit dem schönsten Los.
So ganz nach meinem Herzen
Ward mir ein Freund vergönnt,
Denn Küssen, Trinken, Scherzen
Ist auch sein Element.
Mit ihm wird froh und weise
manch Fläschchen ausgeleert!
Denn auf der Lebensreise
ist Wein das beste Pferd.
Wenn mir bei diesem Lose
Nun auch ein trüb'res fällt,
So denk' ich: keine Rose
Blüht dornlos in der Welt.
Christian Ludwig Reissig (1783 - 1822), deutscher Dichter
Der Zufriedene
Zwar schuf das Glück hienieden
Mich weder reich noch groß,
Allein ich bin zufrieden,
Wie mit dem schönsten Los.
So ganz nach meinem Herzen
Ward mir ein Freund vergönnt,
Denn Küssen, Trinken, Scherzen
Ist auch sein Element.
Mit ihm wird froh und weise
manch Fläschchen ausgeleert!
Denn auf der Lebensreise
ist Wein das beste Pferd.
Wenn mir bei diesem Lose
Nun auch ein trüb'res fällt,
So denk' ich: keine Rose
Blüht dornlos in der Welt.
Christian Ludwig Reissig (1783 - 1822), deutscher Dichter
Letzte Änderung: 30 Okt 2018 07:48 von Kaninchen.
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31 Okt 2018 08:03 #19917
von Kaninchen
DAS HUHN UND DER KARPFEN
Auf einer Meierei
Da war einmal ein braves Huhn,
Das legte, wie die Hühner thun,
An jedem Tag ein Ei
Und kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob's ein Wunder sei!
Es war ein Teich dabei,
Darin ein braver Karpfen sass
Und stillvergnügt sein Futter frass,
Der hörte das Geschrei:
Wie's kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob's ein Wunder sei!
Da sprach der Karpfen: »Ei!
Alljährlich leg' ich 'ne Million
Und rühm' mich des mit keinem Ton;
Wenn ich um jedes Ei
So kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte –
Was gäb's für ein Geschrei!«
Heinrich Seidel
DAS HUHN UND DER KARPFEN
Auf einer Meierei
Da war einmal ein braves Huhn,
Das legte, wie die Hühner thun,
An jedem Tag ein Ei
Und kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob's ein Wunder sei!
Es war ein Teich dabei,
Darin ein braver Karpfen sass
Und stillvergnügt sein Futter frass,
Der hörte das Geschrei:
Wie's kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob's ein Wunder sei!
Da sprach der Karpfen: »Ei!
Alljährlich leg' ich 'ne Million
Und rühm' mich des mit keinem Ton;
Wenn ich um jedes Ei
So kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte –
Was gäb's für ein Geschrei!«
Heinrich Seidel
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01 Nov 2018 08:51 - 01 Nov 2018 08:52 #19933
von Kaninchen
Welkes Blatt
Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.
Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind dich will entführen.
Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.
Welkes Blatt
Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.
Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind dich will entführen.
Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.
Hermann Hesse
Letzte Änderung: 01 Nov 2018 08:52 von Kaninchen.
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02 Nov 2018 06:20 #19938
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Überall
Überall ist Wunderland
Überall ist Leben
Bei meiner Tante im Strumpfenband
wie irgendwo daneben.
Überall ist Dunkelheit
Kinder werden Väter.
Fünf Minuten später
stirbt sich was für einige Zeit.
Überall ist Ewigkeit.
Wenn Du einen Schneck behauchst
Schrumpft er ins Gehäuse,
Wenn Du ihn in Kognak tauchst,
Sieht er weisse Mäuse.
Joachim Ringelnatz
Überall ist Wunderland
Überall ist Leben
Bei meiner Tante im Strumpfenband
wie irgendwo daneben.
Überall ist Dunkelheit
Kinder werden Väter.
Fünf Minuten später
stirbt sich was für einige Zeit.
Überall ist Ewigkeit.
Wenn Du einen Schneck behauchst
Schrumpft er ins Gehäuse,
Wenn Du ihn in Kognak tauchst,
Sieht er weisse Mäuse.
Joachim Ringelnatz
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