Gedichte
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14 Mai 2026 11:00 #58606
von Kaninchen
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14 Mai 2026 17:08 #58623
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Aus Breslau
Ach, liebe Kollegin. Du bist es nicht mehr.
Nun bist du wirklich Bäuerin.
Und deine Koffer stehen leer.
Du glaubst nicht, wie ich hin und her
Und her und hin
Traurig und glücklich darüber bin.
Ist da Wald, wo dein Häuschen steht,
Und habt ihr eine Kuh?
Und wer melkt sie? Dein Mann oder du?
Ach das ist seit ewig und immerzu
Ein Wunsch, der auf meinem Kopfkissen steht.
Schreib mir doch alles ganz genau.
Habt ihr auch Obst und Gemüse?
Und trägst du im Stall nackte Füße?
Und eine Schürze gestreift oder blau?
Und wenn du selbst deine Vorhänge ziehst,
Dann, wenn die Sonne dich blendet.
Du trinkst nichts, was man dir spendet.
Ob du beim Melken sitzt oder kniest?
Aus Breslau über Berg und Tal
Viel Grüße dir. - Nein, euch beiden.
Und sage deinem Herrn Gemahl:
Ich wäre nicht zu beneiden.
Joachim Ringelnatz
Ach, liebe Kollegin. Du bist es nicht mehr.
Nun bist du wirklich Bäuerin.
Und deine Koffer stehen leer.
Du glaubst nicht, wie ich hin und her
Und her und hin
Traurig und glücklich darüber bin.
Ist da Wald, wo dein Häuschen steht,
Und habt ihr eine Kuh?
Und wer melkt sie? Dein Mann oder du?
Ach das ist seit ewig und immerzu
Ein Wunsch, der auf meinem Kopfkissen steht.
Schreib mir doch alles ganz genau.
Habt ihr auch Obst und Gemüse?
Und trägst du im Stall nackte Füße?
Und eine Schürze gestreift oder blau?
Und wenn du selbst deine Vorhänge ziehst,
Dann, wenn die Sonne dich blendet.
Du trinkst nichts, was man dir spendet.
Ob du beim Melken sitzt oder kniest?
Aus Breslau über Berg und Tal
Viel Grüße dir. - Nein, euch beiden.
Und sage deinem Herrn Gemahl:
Ich wäre nicht zu beneiden.
Joachim Ringelnatz
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15 Mai 2026 14:10 #58643
von Kaninchen
In den duftenden Frühling will ich hinaus
Das Gedicht „In den duftenden Frühling will ich hinaus“ stammt aus der Feder von Auguste Kurs.
In den duftenden Frühling will ich hinaus,
Hinweg aus dem kalten, beengenden Haus
In die freie verlockende Weite;
Was soll mir der Bücher verdrießlicher Kram,
Die ich immer und immer vergeblicher nahm,
Ich werfe sie freudig zur Seite.
Denn find' ich nicht draußen der Blätter genug?
Da schimmert geheimnisvoll jeglicher Zug
Von des Ewigen eigenen Händen,
Das wieget die übrigen Lettern wohl auf,
So will ich denn auch in geflügeltem Lauf
Von dem Einen zum Andern mich wenden.
Da bin ich nun draußen und blicke umher,
Wie wird das Studiren schon wieder mir schwer,
Hier unter den blühenden Bäumen!
Sie senden schon Blüte auf Blüte mir zu,
So will ich hier rasten in seliger Ruh,
Und will nur genießen und träumen.
In den duftenden Frühling will ich hinaus
Das Gedicht „In den duftenden Frühling will ich hinaus“ stammt aus der Feder von Auguste Kurs.
In den duftenden Frühling will ich hinaus,
Hinweg aus dem kalten, beengenden Haus
In die freie verlockende Weite;
Was soll mir der Bücher verdrießlicher Kram,
Die ich immer und immer vergeblicher nahm,
Ich werfe sie freudig zur Seite.
Denn find' ich nicht draußen der Blätter genug?
Da schimmert geheimnisvoll jeglicher Zug
Von des Ewigen eigenen Händen,
Das wieget die übrigen Lettern wohl auf,
So will ich denn auch in geflügeltem Lauf
Von dem Einen zum Andern mich wenden.
Da bin ich nun draußen und blicke umher,
Wie wird das Studiren schon wieder mir schwer,
Hier unter den blühenden Bäumen!
Sie senden schon Blüte auf Blüte mir zu,
So will ich hier rasten in seliger Ruh,
Und will nur genießen und träumen.
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16 Mai 2026 12:47 #58665
von Kaninchen
Vincent van Gogh
Der Fliederbusch
Und um die Holzbank duftete der Flieder
Das Gedicht „Und um die Holzbank duftete der Flieder“ stammt aus der Feder von Anna Ritter.
Weißt du den Abend noch? Die Ulme hing
Die dichten Zweige schützend um uns nieder,
Der Bach schoß glucksend unterm Zaun vorbei
Und um die Holzbank duftete der Flieder.
So süß, so süß! Die laue Nachtluft floß
In weichen Wogen schmeichelnd um die Glieder.
Die Grille zirpte leis im hohen Gras,
Und um die Holzbank duftete der Flieder.
Vom Himmel sank ein Stern in jähem Zug,
Lichtscheue Falter huschten hin und wieder,
Dein Arm umfaßte mich, wir waren jung…
Und um die Holzbank duftete der Flieder.
Vincent van Gogh
Der Fliederbusch
Und um die Holzbank duftete der Flieder
Das Gedicht „Und um die Holzbank duftete der Flieder“ stammt aus der Feder von Anna Ritter.
Weißt du den Abend noch? Die Ulme hing
Die dichten Zweige schützend um uns nieder,
Der Bach schoß glucksend unterm Zaun vorbei
Und um die Holzbank duftete der Flieder.
So süß, so süß! Die laue Nachtluft floß
In weichen Wogen schmeichelnd um die Glieder.
Die Grille zirpte leis im hohen Gras,
Und um die Holzbank duftete der Flieder.
Vom Himmel sank ein Stern in jähem Zug,
Lichtscheue Falter huschten hin und wieder,
Dein Arm umfaßte mich, wir waren jung…
Und um die Holzbank duftete der Flieder.
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17 Mai 2026 12:08 #58686
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Aus dem Tagebuch eines Bettlers
Ich klingelte. Ich bettelte um Brot.
Um alte Sachen.
Ich beschrieb anschaulich die Not.
Ich kann so eine jämmerliche Miene machen.
Meine Familie sei teils hungrig, teils tot.
Nur ein kleines, hartes, verschimmeltes Restchen Brot,
Womit ich eigentlich Geld meinte.
Der Herr verneinte.
Ich versuchte diverse Gebärden.
Ich kann so urplötzlich ganz mager werden.
Ich taumelte krank.
Ich - stank.
Da wurde ich gepackt.
Fünf Minuten später war ich nackt.
In einer Wanne im Bad
Bei dreißig Grad.
Ich weinte. - Ich wußte:
Hier half kein Beteuern.
Man fing an, meine Kruste
Herunterzuscheuern.
Dieser Herr war ein Schelm.
Ich wurde auf die Straße gestoßen.
Ich fand mich in schwarzen Hosen,
Lackschuhen, Frack und Tropenhelm.
Ich fand kein Geld. - Mir wurde bang,
Ich fand nur ein Trambahn-Abonnement.
Und ich ging auf die Reise,
Fuhr mit der Sechzehn stundenlang
Immer im Kreise.
Was halfen die noblen Sachen?
Ich bettelte. Probeweise.
Ich kann so eine kummervolle Miene machen.
Aber die Leute begannen zu lachen
Und die Haltestelle zu verpassen.
Ich sann auf einen Schlager.
Ich wurde urplötzlich ganz mager.
Ich wurde gewaltsam aus der Trambahn heruntergelassen.
Da waren die Anlagen und Gassen
Auf einmal ganz traurig und fremd.
Als ich aus dem Pfandhause kam,
Trug ich nur noch Hose, Barfuß und Hemd.
Ich mußte mir einen Anzug leih'n.
Ich ging mit der Gräfin Mabelle,
Die eigentlich eine Büfettmamsell
Ist und gesucht wird, in ein Hotel.
Wir speisten: Hirschbraten mit Knickebein.
Wir sangen zu zwei'n:
"Wer hat uns getraut - ..."
Und zuletzt, ganz laut:
"Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein..."
Joachim Ringelnatz
Ich klingelte. Ich bettelte um Brot.
Um alte Sachen.
Ich beschrieb anschaulich die Not.
Ich kann so eine jämmerliche Miene machen.
Meine Familie sei teils hungrig, teils tot.
Nur ein kleines, hartes, verschimmeltes Restchen Brot,
Womit ich eigentlich Geld meinte.
Der Herr verneinte.
Ich versuchte diverse Gebärden.
Ich kann so urplötzlich ganz mager werden.
Ich taumelte krank.
Ich - stank.
Da wurde ich gepackt.
Fünf Minuten später war ich nackt.
In einer Wanne im Bad
Bei dreißig Grad.
Ich weinte. - Ich wußte:
Hier half kein Beteuern.
Man fing an, meine Kruste
Herunterzuscheuern.
Dieser Herr war ein Schelm.
Ich wurde auf die Straße gestoßen.
Ich fand mich in schwarzen Hosen,
Lackschuhen, Frack und Tropenhelm.
Ich fand kein Geld. - Mir wurde bang,
Ich fand nur ein Trambahn-Abonnement.
Und ich ging auf die Reise,
Fuhr mit der Sechzehn stundenlang
Immer im Kreise.
Was halfen die noblen Sachen?
Ich bettelte. Probeweise.
Ich kann so eine kummervolle Miene machen.
Aber die Leute begannen zu lachen
Und die Haltestelle zu verpassen.
Ich sann auf einen Schlager.
Ich wurde urplötzlich ganz mager.
Ich wurde gewaltsam aus der Trambahn heruntergelassen.
Da waren die Anlagen und Gassen
Auf einmal ganz traurig und fremd.
Als ich aus dem Pfandhause kam,
Trug ich nur noch Hose, Barfuß und Hemd.
Ich mußte mir einen Anzug leih'n.
Ich ging mit der Gräfin Mabelle,
Die eigentlich eine Büfettmamsell
Ist und gesucht wird, in ein Hotel.
Wir speisten: Hirschbraten mit Knickebein.
Wir sangen zu zwei'n:
"Wer hat uns getraut - ..."
Und zuletzt, ganz laut:
"Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein..."
Joachim Ringelnatz
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18 Mai 2026 15:54 #58711
von Kaninchen
Abend-Idyll
Wie Samos-Wein zerfließt aus ihren Lippen
Der süße Kuß vertrauter Einsamkeit,
Es schweigt die Welt, ausruhen Kampf und Leid
Indes sie lächelnd Wein und Liebe nippen!
Umschifft sind aller Sorgen steile Klippen,
Das Meer der Sehnsucht dehnt sich blau und weit
Und wie in goldiger Hellenenzeit
Aspasia siegt im Land der Telesippen.
So siegt auch hier die Allmacht heißer Minne,
In nichts zerfließen kleinliche Gefühle
Und höchstes Glück erschließt sich ihrem Sinne!
So leben sie, fernab vom Weltgewühle
Ein griechisches Idyll und ihrer Wonne
Fehlt nur der Myrthe Duft und ewige Sonne!
Sophie von Khuenberg
aus der Sammlung "Im Lärm der Welt"
Wie Samos-Wein zerfließt aus ihren Lippen
Der süße Kuß vertrauter Einsamkeit,
Es schweigt die Welt, ausruhen Kampf und Leid
Indes sie lächelnd Wein und Liebe nippen!
Umschifft sind aller Sorgen steile Klippen,
Das Meer der Sehnsucht dehnt sich blau und weit
Und wie in goldiger Hellenenzeit
Aspasia siegt im Land der Telesippen.
So siegt auch hier die Allmacht heißer Minne,
In nichts zerfließen kleinliche Gefühle
Und höchstes Glück erschließt sich ihrem Sinne!
So leben sie, fernab vom Weltgewühle
Ein griechisches Idyll und ihrer Wonne
Fehlt nur der Myrthe Duft und ewige Sonne!
Sophie von Khuenberg
aus der Sammlung "Im Lärm der Welt"
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