Herbst ist's !
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09 Okt 2017 08:04 #14305
von Glögglifrosch
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09 Okt 2017 20:07 - 09 Okt 2017 20:09 #14311
von Kaninchen
Spaziergang im Zimmer
Sonderbar und unheimlich, wie auch der schönste und glühendste Sommer vergeht, wie plötzlich der Augenblick da ist, wo man fröstelnd und noch etwas verwundert in seinem Zimmer sitzt, auf den Regen draußen horcht und von einem grauen, schwachen, kühlen, strahlenlosen Licht umgeben ist, das man allzu gut wiedererkennt. Eben noch, gestern abend noch, war eine andere Welt und Luft um uns her, schwang warmes rosiges Licht über sanfte Abendwolkengefilde, sang tief und summend das Lied des Sommers über den Wiesen und Weinbergen - und plötzlich erwachst Du nach einer schwer durchschlafenen Nacht, blinzelst verwundert in einen grauen matten Tag, hörst kühl und stetig den Regen auf die Blätter vorm Fenster schlagen, und weißt: jetzt ist es vorüber, jetzt ist es Herbst, jetzt ist es bald Winter. Eine neue Zeit, ein anderes Leben beginnt, ein Leben in den Stuben und bei Lampenlicht, mit Büchern und zuweilen mit Musik, ein Leben, das auch sein Schönes und Inniges hat, nur ist der Übergang dazu schwer und lustlos, es beginnt mit Frieren, mit Trauer und innerer Abwehr
Hermann Hesse "Herbst)
Sonderbar und unheimlich, wie auch der schönste und glühendste Sommer vergeht, wie plötzlich der Augenblick da ist, wo man fröstelnd und noch etwas verwundert in seinem Zimmer sitzt, auf den Regen draußen horcht und von einem grauen, schwachen, kühlen, strahlenlosen Licht umgeben ist, das man allzu gut wiedererkennt. Eben noch, gestern abend noch, war eine andere Welt und Luft um uns her, schwang warmes rosiges Licht über sanfte Abendwolkengefilde, sang tief und summend das Lied des Sommers über den Wiesen und Weinbergen - und plötzlich erwachst Du nach einer schwer durchschlafenen Nacht, blinzelst verwundert in einen grauen matten Tag, hörst kühl und stetig den Regen auf die Blätter vorm Fenster schlagen, und weißt: jetzt ist es vorüber, jetzt ist es Herbst, jetzt ist es bald Winter. Eine neue Zeit, ein anderes Leben beginnt, ein Leben in den Stuben und bei Lampenlicht, mit Büchern und zuweilen mit Musik, ein Leben, das auch sein Schönes und Inniges hat, nur ist der Übergang dazu schwer und lustlos, es beginnt mit Frieren, mit Trauer und innerer Abwehr
Hermann Hesse "Herbst)
Letzte Änderung: 09 Okt 2017 20:09 von Kaninchen.
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10 Okt 2017 08:08 #14320
von Glögglifrosch
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12 Okt 2017 22:42 #14354
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18 Okt 2017 19:15 #14428
von Glögglifrosch
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19 Okt 2017 12:55 - 19 Okt 2017 13:07 #14444
von Kaninchen
Ein satter, leise glühender Oktobertag. An den Hügeln leuchtetenn die Weinberge goldgelb, die Wälder spielten in den zarten, bräunlich metallischen Farben der Laubwelke. Es war eine Lust, durch die Dörfer zu schlendern. Ich tat es, Arm in Arm mit meinem damaligen Schatz, ein paar unvergeßliche selige Tage lang.
.Überall roch es nach reifen Trauben und jungem Wein. Jedermann war draußen beim Lesen oder Keltern, in den steilen Weinbergen sah man Weiber und Mädchen in farbigen Röcken und weißen oder roten Kopftüchern arbeiten. Alte Leute saßen vor den Häusern , sonnten sich, rieben die braunen, runzligen Hände ineinander und lobten den schönen Herbst.
Freilich, in alten Zeiten hatte es noch ganz andere Herbste gegeben. Man mußte nur die Siebzigjährigen hören. Sie sprachen von fabelhaften Jahrgängen, in denen der Wein so reichlich und so honigsüß gewesen sei, wie es heutzutage gar nimmer vorkomme. Man múß sie reden lassen, die Alten, und in aller Stille die Hälfte abziehen. Wenn wir einmal siebzig oder achtzig sind, werden wir von manchem Jahr gerade so reden. Wir werden es in unsäglich köstlichem Gold der unerreichbaren Ferne sehen und werden unsere Dankbarkeit und unser Altersleid und unser ganzes Jugendheimweh in unsere sehnlichen Erinnerungen mischen.
Heinrich Heine
aus "Der Flieger"
1905
Bildquelle Wikipedia
.Überall roch es nach reifen Trauben und jungem Wein. Jedermann war draußen beim Lesen oder Keltern, in den steilen Weinbergen sah man Weiber und Mädchen in farbigen Röcken und weißen oder roten Kopftüchern arbeiten. Alte Leute saßen vor den Häusern , sonnten sich, rieben die braunen, runzligen Hände ineinander und lobten den schönen Herbst.
Freilich, in alten Zeiten hatte es noch ganz andere Herbste gegeben. Man mußte nur die Siebzigjährigen hören. Sie sprachen von fabelhaften Jahrgängen, in denen der Wein so reichlich und so honigsüß gewesen sei, wie es heutzutage gar nimmer vorkomme. Man múß sie reden lassen, die Alten, und in aller Stille die Hälfte abziehen. Wenn wir einmal siebzig oder achtzig sind, werden wir von manchem Jahr gerade so reden. Wir werden es in unsäglich köstlichem Gold der unerreichbaren Ferne sehen und werden unsere Dankbarkeit und unser Altersleid und unser ganzes Jugendheimweh in unsere sehnlichen Erinnerungen mischen.
Heinrich Heine
aus "Der Flieger"
1905
Bildquelle Wikipedia
Letzte Änderung: 19 Okt 2017 13:07 von Kaninchen.
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